|
Zeitungen |
Hauptseite Zeitung 101, März 2002 Abstimmungsbilanz |
Gruppe Schweiz ohne Armee
|
Manipulation oder Wahrheit?Die Beschwerde des Präsidenten des Schweizerischen Friedensrates gegen einen Artikel von Hans Hartmann, damals WoZ-Redaktor und GSoA-Aktivist, wurde abgelehnt. Eine - für die Wahrheit - notwendige Polemik. von Reto MoosmannAm 15. Juli 2001 reichte Ruedi Tobler, Präsident des Schweizerischen Friedensrates, beim Presserat Beschwerde gegen einen Mitte Mai in der Wochenzeitung WoZ erschienen Leitartikel ein. Dem Autor dieses Artikels Hans Hartmann warf er «Manipulation» und «Desinformation» vor. Hans Hartmann habe die «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalisten und Journalistinnen» verletzt, denn - so Tobler - «er hält sich nicht an die Wahrheit, lässt sich nicht vom Recht der Öffentlichkeit leiten, die Wahrheit zu erfahren, unterschlägt wichtige Elemente von Informationen und entstellt Tatsachen». Das war starker Tobak. Bereits zuvor hatte Tobler der WoZ «GSoA-Hofberichterstattung» vorgeworfen und sich über die «wilde Räuber- beziehungsweise Militärgeschichte, (...) ob der einem die Haare zu Berge stehen müssen» beklagt. «Wieviel Stuss darf in der WoZ stehen?», fragt Tobler provokativ in einem Brief an die WoZ, der den inkriminierten Artikel als «offensichtlichen Unsinn» darstellte. Der SachverhaltWas aber war eigentlich geschehen? Der Presserat stellt den Sachverhalt in seiner am 18. Dezember veröffentlichten Stellungnahme so dar: «Am 23. Mai 2001 erschien auf der Titelseite der WoZ ein Artikel von Hans Hartmann mit der Hauptüberschrift «Schweizer Armee, weltweit». Im Obertitel wurde der Beitrag folgendermassen eingeführt: «Armee XXI: die nächste Modernisierungsrunde kommt». (...) Hartmann stellte den Zusammenhang zwischen der damals bevorstehenden Abstimmung [Militärgesetzrevision, bewaffnete Auslandeinsätze] und der im Rahmen der Armeereform XXI vorgesehenen Totalrevision des Militärgesetzes und weiteren militärstrategischen Grundlagendokumenten her. (...) Hartmann stellte eine zunehmende Militarisierung der schweizerischen Aussenpolitik fest, die in Richtung eines (verschleierten) NATO-Interventionismus gehe. (...)». Das UrteilWeniger verständlich ist, dass der Präsident des Friedensrates als Verteidiger der Armeeplaner mit derart absurden Vorwürfen gegen die WoZ an den Presserat gelangte. Das fand sinngemäss auch der Presserat. Dieser stellte fest, dass es, wie in der WoZ beschrieben, «aufgrund des vorgeschlagenen Wortlauts der neuen Fassung von Art. 69 MG zuzutreffen scheint, dass für den im Vergleich zum geltenden Recht definitorisch ausgeweiteten Assistenzdienst im Ausland die Einschränkungen des Art. 66 nicht gelten sollen. Die Interpretation von Hans Hartmann, wonach die in Art. 66 MG enthaltene Beschränkung von bewaffneten Einsätzen im Ausland «UNO- bzw. OSZE-Mandate» durch eine ausgedehnte Interpretation der Neufassung von Art. 69 MG allenfalls umgangen werden könnte und bewaffnete Einsätze der Schweizer Armee damit zumindest theoretisch weltweit denkbar wäre», könne daher nicht als «unhaltbar und damit wahrheitswidrig» bezeichnet werden. FazitMan muss keineswegs komplizierte militärstrategische Dokumente konsultieren, um zu sehen, dass Hans Hartmanns Einschätzung keineswegs ein «aus der Luft gegriffenes Schreckensszenario ist», wie Ruedi Tobler behauptet. Es genügt, die für alle sichtbaren Bemühungen der schweizerischen Armeeplaner vorurteilsfrei zur Kenntnis zu nehmen. Zum Beispiel das Projekt für eine «Elitetruppe für Auslandeinsätze». Über sie berichteten die Schweizerische Depeschenagentur bzw. die «Neue Zürcher Zeitung» unter Berufung auf Generalstabssprecher Philippe Zano am 19. November 2001 so: «Die Eliteeinheit mit dem Namen «Aufklärungsdetachement» soll in Kriegszeiten für Operationen hinter feindlichen Linien eingesetzt werden. (...) In Friedenszeiten sollen diese Soldaten Aufklärungsaufgaben im Gelände wahrnehmen. (...) Weil es immer mehr lokale Konfliktherde gebe, sei es notwendig, dass auch die Schweiz über eine solche Einsatztruppe verfügt.» Gegenüber der Zeitung «dimanche.ch» verglich Zano - am 18.11.2001, in der heissesten Phase des Afghanistan-Krieges - die geplante Einsatztruppe mit der britischen Elitetruppe SAS beziehungsweise mit deren Einsätzen im Irak und in Afghanistan. Das «Aufklärungsdetachement» werde in ähnlichem Stil im Vorfeld von bewaffneten Auslandeinsätzen anderer Schweizer Truppenteile zum Einsatz kommen. | |
|
Nach oben |
Zeitungen |
Hauptseite |
|
| last change: 15.1.2003/dbu |